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Donnerstag, 1. Februar 2018

Buchgeplauder: Was ist Brandon Sandersons Cosmere?

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Brandon Sandersons Cosmere ist auf meinem Blog immer wieder ein Thema. Aber was ist der Cosmere überhaupt? Ganz kurz gesagt: ein richtig, richtig geiles Konstrukt. Und da ich so unglaublich begeistert von der Idee bin, die hinter dem Cosmere steckt, möchte ich ihn euch in diesem Post näher vorstellen und am Ende auch ein paar Tipps geben, wo ihr am besten anfangt, wenn ihr euch tiefer in die Weiten des Cosmere voran wagen wollt.

Außerdem möchte ich euch gleich noch einen Podcast empfehlen, den ich neulich entdeckte: Cosmere Conversations besprechen den Cosmere und all die verschiedenen Theorien, die es dazu gibt. Wenn ihr des Englischen mächtig seid und euch für den Cosmere interessiert, dann ist dieser Podcast auf jeden Fall eine Empfehlung.

Ein kleiner Hinweis: Da ich Brandons Bücher seit einigen Jahren nur noch auf Englisch lese, werde ich im Folgenden auch stets die englischen Begriffen wie eben zum Beispiel Shards oder Investiture verwenden.

Was ist der Cosmere?
Die essenzielle Frage, wenn man sich an dieses Gebiet heranwagt. Der Cosmere ist eine Zwergengalaxie, mit zehn Hauptplaneten, sogenannte Shardworlds. Es gibt noch weit mehr Planeten in dieser Galaxie, aber es sind diese Zehn, die für den Cosmere von besonderer Bedeutung sind. Dies sind: Ashyn, Braize, Nalthis, Obrodai, Roshar, Scadrial, Sel, Taldain, Vax und Yolen. All diese Welten haben sogenannte Shards, zu denen wir gleich kommen. Außerdem gibt es noch die Welten Threnody (Schauplatz der Novelle »Shadows for Silence in the Forests of Hell«) und First of the Sun (Schauplatz der Novelle »Sixth of the Dusk«), welche keine Shards besitzen. Jeder dieser Planeten befindet sich in einem eigenen Sonnensystem in seiner Ecke des Cosmere.

[2] Die Shardworlds im Cosmere

Adonalsium und die Shards
Im Cosmere gibt es eine gottgleiche Entität, Naturkraft oder wie auch immer man es nennen will namens Adonalsium, welche durchaus als Quelle quasi allen Lebens im Cosmere bezeichnet werden könnte. In einem noch immer sehr rätselhaften Ereignis namens Shattering wurde Adonalsium in 16 Shards zersplittert, jedes davon eine Verkörperung eines bestimmten Ideals. Einige vage Gerüchte sprechen von 17 Shards (daher auch der Name des wichtigsten Fandomforums 17th Shard), näheres weiß man jedoch nicht. Jeder dieser Shards befindet sich in einer Shardworld, mitunter auch mehrere in einer wie beispielsweise mit Odium (dem Hauptantagonisten des Cosmere) Honor und Cultivation im Rosharan System. Alle bisher bekannten Shards sind: Ambition, Autonomy, Cultivation, Devotion, Dominion, Endowment, Honor, Odium, Preservation und Ruin. Zu jedem dieser Shards gehört eine Vessel, im weitesten Sinne ein Mensch, der ein Shard hält und damit dessen Macht nutzen kann, was ihn quasi zu einem Gott macht. Der Träger Honors ist beispielsweise Tanavast, welcher im »Stormlight Archive« immer wieder auftritt.

Befindet sich ein Shard in einer Shardworld, ist die häufig der Ursprung allen Lebens auf diesem Planeten. Häufig wird diese Welt durch den Einfluss der Vessel so stark verändert, dass nicht mehr gesagt werden kann, wie diese Welt vor dem Shattering Adonalsiums ausgesehen hatte.

Zweitens sorgt die Anwesenheit eines Shard für das sogenannte Investiture, wie Magie im Cosmere genannt wird. Investiture kann sich im Cosmere auf gänzlich unterschiedliche Weise manifestieren. In Sel, der Welt, in der »Elantris« und die Novellen »The Hope of Elantris« und »The Emperor's Soul« spielen, ist dies beispielsweise das AonDor, in Scadrial, der »Mistborn«-Welt, sind es die Metallischen Künste Allomantie, Ferrochemie und Hemalurgie  und in Roshar das Stormlight. Brandon wird übrigens immer für seine kreativen Magiesysteme gefeiert. Jetzt kennt ihr ihren Hintergrund.

Wie bereits erwähnt, ist Odium respektive sein Träger Rayse der Hauptantagonist des Cosmere, der die Herrschaft über alle Shardworlds anstrebt. Dafür bekämpft er die anderen Vessels und konnte bereits einige besiegen, was in sogenannten Splinterings resultierte. Der Träger wurde getötet und sein Shard zersplittert. Das hat verschiedene Effekte für die entsprechende Shardworld. Die sogenannten Splinters der Shards Dominion und Devotion, der Shards von Sel, bilden die Seons und Skaze, die wir aus dem Roman »Elantris« kennen.

Odium befindet sich derzeit im Rosharan System, jedoch nicht auf Roshar selbst, der Shardworld des Systems.

Die Worldhopper
Eines der Dinge, die den Cosmere so großartig machen, sind die vielen kleinen Cameos. Ermöglicht werden sie durch die Worldhopper, Menschen aus den verschiedensten Systemen, die die Fähigkeit besitzen, zwischen den verschiedenen Welten des Cosmere zu reisen. So taucht der eine Charakter aus Roman A plötzlich am Rande oder vielleicht auch nicht so sehr am Rande in Roman B wieder auf. Einer der bekanntesten ist mit Sicherheit Hoid, der vielen als Wit respektive Schelm des Königs aus dem »Stormlight Archive« ans Herz gewachsen ist. Auch Khrissalla oder kurz Khriss ist sehr bekannt, die Verfasserin der Ars Acana am Ende eines jeden Cosmre Romans. Sie stammt von Taldain, der Welt, in der »White Sand« spielt.

Realmatic Theory
Die Theorie der drei Reiche beschreibt die Struktur des Cosmere. Diese Reiche sind das Physische Reich, das Cognitive und das Spirituelle. Das Physische Reich ist die Welt, wie wir sie erleben (wären wir Worldhopper und würde die Erde zum Cosmere gehören, sodass wir die Möglichkeit hätten, einen Fuß auf Roshar zu setzen ... andererseits: Wer will das schon? Ziemlich ungemütlicher Planet). 

Das Cognitive Reich ist das Reich der Wahrnehmung, auf Roshar Shadesmar genannt. Dinge des Physischen Reiches erscheinen hier, wie sie wahrgenommen werden, was von Welt zu Welt, teilweise sogar von Ding zu Ding, sehr unterschiedlich sein kann. Denn selbst dingliche Gegenstände erscheinen hier, wie sie sich selbst wahrnehmen.

[3] Das Cognitive Reich in seiner Erscheinung in Roshar

Über das Spirituelle Reich ist gegenwärtig sehr wenig bekannt. Es ist das Reich der wahren Seele und Essenz der Dinge.

Entstehungsgeschichtlicher Hintergrund
Brandon liebt große epische Fantasy wie das »Wheel of Time«, welches er nach dem Tod seines Autors Robert Jordan sogar fortführen durfte. Er wusste aber, was vielen hier ebenfalls bekannt sein dürfte, dass man als neuer Autor kaum eine Chance hat, solch eine gigantische Reihe bei einem Verleger unterzubringen oder gar zu etablieren. Bevor er auch nur einen einzigen Roman verlegte (sein erster war 2005 »Elantris«), schrieb er bereits über ein duzend weitere, viele davon Einzelbände oder Trilogien. Jede davon kann für sich allein stehen, was es viel einfacher machte, sie an einen Verlag zu vermitteln. Da er aber epische Reihen so toll fand, machte er daraus eine »verstreckte Epik«, wie es auch die beiden von Cosmere Conversations in ihrer ersten Folge so enthusiastisch und treffend bezeichneten.

Das ist das Tolle am Cosmere: Man kann alle Bände Sandersons genießen, ohne auch nur die leiseste Ahnung vom Cosmere zu haben, weil alle Romane auch unabhängig davon funktionieren. Weiß man jedoch davon, findet man in den Romanen plötzlich an allen Ecken und Enden winzige Hinweise darauf (die spätestens mit »Oathbringer«, dem dritten »Stomlight« Band nicht mehr so winzig sind) und es tun sich wortwörtlich Welten auf, die es so richtig lohnenswert machen, die Bücher wieder und wieder zu lesen, weil man immer wieder etwas Neues entdeckt.

Der Cosmere ist ein unglaublich komplexes Konstrukt, wo, ganz ehrlich, selbst Mittelerde kaum mithalten kann, und das ist einfach so unfassbar toll. Brandon erschafft unglaublich vielschichtige, kreative Welten und schafft es, sie so unfassbar miteinander zu verweben.

Der beste Einstieg in den Cosmere
Ihr seht: Da tun sich wortwörtlich Welten auf, wenn man sich einmal mit dem Cosmere befasst. Da stellt sich natürlich auch die Frage, womit man am besten beginnt. Nach den Veröffentlichungsdaten zu gehen, ist auf jeden Fall eine gute Möglichkeit, da wäre der erste Roman 2005 »Elantris«, gefolgt von »Mistborn: The Final Empire« 2006, der den ersten Mistborn Arc aufspannt.

Die »Mistborn«-Bücher, das ist auch so eine tolle Sache, kann man als Trilogie von Trilogien auffassen, wobei selbst das wieder weitaus komplexer wurde, als Brandon es zunächst andachte. Die erste Trilogie ist die originale »Mistborn« Trilogie, bestehend aus »Mistborn: The Final Empire«, »The Well of Ascencion« (2007) und »The Hero of Ages« (2008), ebenso die Kurzgeschichte »The Eleventh Metal« (2011), die zum Mistborn Adventure Game gehört und die Spieler in die Spielewelt einführt, sowie der Kurzroman »Mistborn: Secret History«, der, wie der Titel verrät, die geheime Geschichte erzählt, die parallel zu der Handlung der Romane gehört. Die erste Reihe, deren Werke hier aufgezählt wurden, ist eine klassische Fantasy Geschichte. Scadrials Geschichte endet damit jedoch nicht und die Kultur des Planeten entwickelt sich weiter. Als nächstes folgt die »Wax and Wayne«-Reihe, die die Steampunk Ära der »Mistborn«-Romane markiert. Deren Bände sind: »The Alloy of Law« (2011), »Shadows of Self« (2015), »The Bands of Mourning« (2016) und »The Lost Metal« (noch nicht veröffentlicht, für 2019 erwartet) sowie die Kurzgeschichte »Allomancer Jak and the Pits of Eltania« (2014 ebenfalls im Mistborn Adventure Game und 2017 in Arcanum Unbounded). Die dritte noch nicht veröffentlichte Ära wird im Computerzeitalter der 1980er spielen, jedenfalls dem, was auf Scadrial dem entspricht. Die vierte Ära ist wortwörtlich Zukunftsmusik, geplant ist eine Space Opera (die Coppermind Wiki gibt übrigens an, dass Hoid hier der Hauptcharakter sein wird).

Jetzt habe ich ziemlich ausgeholt. Natürlich muss man nicht nur nach der Veröffentlichungsreihenfolge der Romane gehen, wenn man in den Cosmere einsteigen will. Ich selbst begann mit der ersten »Mistborn«-Ära, empfinde aber auch eine der Standalones als empfehlenswert, also »Elantris« oder »Warbreaker«. Hier entscheidet der persönliche Geschmack. Mag man eher Einzelbände, empfiehlt sich einer der beiden, mag man eine Reihe, dann »Mistborn«. Auch empfehlenswert als Einstieg sind seine Novellen, besonders hierbei »The Emperor's Soul«, weil wir hier eine Shardworlds kennenlernen und eine der vielen Formen von Investiture ausführlich in Aktion erleben.

Will man sich seine Cosmere-Novellen zu Gemüte führen, empfiehlt sich »Arcanum Unbounded«, eine von Khriss zusammengestellte Erzählung von Geschichten aus dem Cosmere, darunter »The Emperor's Soul«, »Mistborn: Secret History« und »Shadows for Silence in the Forests of Hell«. Das i-Tüpfelchen dabei ist, dass Khriss zu jeder Welt, in denen die Geschichten spielen, eine kurze Zusammenfassung schrieb, in der wir eine Menge Cosmere-Hintergrundwissen erfahren.

Ich empfehle auf keinem Fall, mit »Stormlight« zu beginnen, da die Romanwelt sehr komplex ist und neue Leser mitunter überfordern könnte. Ich empfehle ausdrücklich, »Stormlight« dennoch so schnell wie möglich zu lesen, nachdem man in anderen Romanen ein wenig auf Tuchfühlung mit dem Cosmere ging, da Roshar, wie es aktuell aussieht, einer der zentralen Schauplätze des Cosmere wird und man hier unheimlich viel darüber erfährt. Außerdem sind es einfach richtig geile Romane.

Weiterführendes
Nun wurde bereits ein- oder zweimal das Coppermind Wiki erwähnt, die Wiki, die zum 17th Sahrd gehört und bei der ich selbst nebenher hineinschaute, um sicherzugehen, dass ich euch keinen Blödsinn erzähle. Die Wiki ist extrem zu empfehlen, da sie gut recherchiert und mit zahlreichen Quellen versehen ist.

Außerdem empfahl ich euch bereits im einleitenden Teil den Podcast Cosmere Conversations, wo ihr noch viel mehr Details über den Cosmere erfahren könnt.

Und natürlich folgt Brandon Sanderson auf Twitter, Facebook und Instagram sowie seiner Webside Brandonsanderson.com. Dort teilt er noch einen Haufen anderes cooles Zeug, das sich Fans seiner Werke nicht entgehen lassen sollten. Außerdem ist der Gute auf Goodreads zu finden, wo er immer wieder Bücher seiner Studenten empfiehlt. Und vergessen wir nicht Writing Excuses, wo er zusammen mit anderen Autoren Schreibtipps für Autoren veröffentlicht. Auch wenn er sonst solch riesige Fantasy Epen schreibt, kann er sich, anders als ich, beim Cosmere übrigens kurz fassen und hat selbst noch einmal eine kleine Einführung geschrieben.

Und noch was
Weil ich es nicht lassen kann und der Cosmere so awesome ist! »Mistborn: Secret History« ist eines der genialsten Stücke Literatur, die mir jemals unterkamen. Nicht nur, dass wir enorm viel über den Cosmere erfahren, ich finde allein die Idee einer geheimen Handlung, die im Hintergrund abläuft, einfach absolut genial. In den »Mistborn«-Romanen merken wir durchaus, dass sich da im Hintergrund noch irgendetwas abspielt, aber hier erfahren wir, was genau das ist. Und wow! Es ist so krass! Die Coppermind Wiki empfiehlt, den Kurzroman nach »The Bands of Mourning« zu lesen, ich denke aber, dass man es auch nach »The Hero of Ages« lesen kann. Jedoch keinesfalls früher, da der Kurzroman logischerweise massive Spoiler für die erste Ära enthält.

[1] Khriss auf dem Cover von Arcanum Unbouned, Quelle Unbound Worlds, ©Isaac Steward
[2] zu finden in Arcanum Unbounded, Quelle 17th Shard©Isaac Steward
[3] zu finden in The Way of Kings, Quelle 17th Shard©Isaac Steward

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