Denn ich fresse nicht nur Jungfrauen!

Sonntag, 1. Oktober 2017

Rezension: Weil du mir gut tust von David Schwamborn (Achtung! Verriss!)

Quelle: Amazon
Ich möchte einige Dinge gleich vorweg nehmen, ehe ich zu meiner Rezension zu »Weil du mir gut tust« von David Schwamborn komme. Erstens: Kauft das Buch nicht, auch nicht, um zu checken, ob der Unfall wirklich so scheiße ist, wie es hier klingt. Zweitens: Ich werde gleich sehr, sehr wütend klingen und dieses … Ding in Grund und Boden stampfen. Drittens: Ich haderte damit, diese Rezension auch auf meinen Blog zu packen, entschied mich aus verschiedenen Gründen dann aber doch dafür. In diesem Buch gibt es ohne Triggerwarnung SVV (selbstverletzendes Verhalten, hier ritzen), unsensiblen Umgang mit Homosexualität und Transsexualität und Sexismus sowie noch so einige Dinge mehr, derentwegen ich nicht will, dass diese verunglückte Aneinanderreihung von gepeinigten Wörtern irgendeine Art von positiver Aufmerksamkeit (oder überhaupt groß Aufmerksamkeit) bekommt. Nur zu Tode schweigen ist irgendwie auch ungeil. Daher viertens: Kauft diesen Rotz bitte immer noch nicht. Ach so, fünftens: Da ihr es bitte nicht kauft, hoffe ich, dass ihr nichts gegen Spoiler im Folgenden habt.

Ausgangssituation ist, dass Jay Gerber (im Folgenden bevorzugt Lauch genannt) just kurz vor Ferienbeginn von seinem besten Freund Corey in der Schuldusche angegriffen wurde, in dessen Folge er Corey in Notwehr mit einem Messer im Kopf tötete. Das findet überhaupt niemand suspicious und Lauch wird just am Ferienende freigesprochen. Er denkt nicht mal im Traum daran, die Schule zu wechseln, weil er wegen eines Mädchens niemals ne Schule wechseln würde, aber wegen DER EINEN namens Lia bleibt er halt doch und … ja, Logik, wer braucht den Scheiß schon?! Jedenfalls ist Lauch voll knorke, weil er Vertrauensschüler ist und allen bei ihren sexuellen Problemen hilft. Das ist nämlich ne voll harte Mobberschule mitten in der bayrischen Pampa, in der alle auf Kuschelkur… verzeiht, Mobberkurs sind und Eltern im erzkonservativen Kaff das Wort »Lesbe« googeln müssen und das dann auch voll knorke finden. Lauch will Lia vögeln, Lia will Lauch vögeln, aber ne schlimmböse (Rezi)Mafia weiß das zu verhindern und will alle abknallen, um sich an Lauch für den Tod Coreys, des Sohns des Mafiabosses, zu rächen. Aber Lauch ist der Held des Tages und hebt als Sechzehnjähriger Teenager die Mafia im Alleingang aus und ist überhaupt wie immer der strahlende Held. Starke Frauenfiguren soll’s auch noch eben, ebenso ein harter Kurs gegen Sexismus™ und Mobbing, aber irgendwie seh ich da nix von.


So, und schon allein diese Inhaltsangabe zeigt vor allem eines auf: Heilige Scheiße, ist das ein Rotz! Und zwar so ein saftiger, dass ich gar nicht weiß, wo ich hier anfangen soll. Beginnen wir vielleicht einfach mal mit den Basisdingen.

HAT DIESER MIST JEMALS EIN KORREKTORAT GESEHEN?! Der Autor behauptet, dem wäre so gewesen. Vor drei Wochen hieß es, er habe sich das Korrektorat für 0€ erschlichen, vor ein paar Tagen dann, dass sein Korrektor ihn um sein Geld beschissen hätte, weil er obviously nen scheiß Job gemacht hat. Die Bezahlung soll in Credits bestanden haben, aber ich sehe im Buch weder Credits für den Korrektor (der, wenn er denn überhaupt existiert, einen wirklich beschissenen Job gemacht hat) noch für das Cover. Uncool, echt uncool.

Es finden sich auf ungelogen nahezu jeder Seite Fehler. Da lassen sich unter anderem solche Perlen sehen: »Als Corey aufstand, setzte sich Jay auf und griff nach dem Kopf seines Feindes. Er versank das Messer in ihm.« Es erscheint mir wie ein Wunder, wie man als Muttersprachler so viele Fehler in so einem kleinen Sprechakt verbauen kann. Falsche Referenz, falsche Deklination, falsche Verbform. Und das geht die ganze Zeit so. Mal ganz von den beliebig gesetzten Kommas und der ebenso beliebigen Groß- und Kleinschreibung abgesehen. Das Ding wird dadurch teilweise nahezu unlesbar, eine reine Zumutung! Will man seine Leser beleidigen: bitte, so geht es. Zusammen damit, sie in sozialen Netzwerken als »Inzuchtbrut«, »ausgeleierte Schabracken« und allerlei mehr zu bepöbeln.

Übrigens möchte dieses Buch sich gegen Mobbing und Sexismus aussprechen. Merkste was? Aber dazu später mehr.

Für Kindle Leser war es, wo wir schon bei Formalia sind, auch sehr unpraktisch, dass das Buch kein Inhaltsverzeichnis hat, mittels dem man während des Lesens navigieren kann. Das ist hier nun wirklich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber es hatte mich gestört.

Weiterhin war das einzige, was hier wirklich greifbar war, die gähnende Langeweile. Das gesamte Buch ist reines Tell, und zwar Tell der übelsten, langweiligsten Sorte. Es wurden absolut null Emotionen zum Leser transportiert, irgendeine Art von Spannung sucht man hier vergebens und knistern tut es zwischen dem Lauch und seinem rothaarigen Loveinterest auch null.

Übrigens sind alle Damen der Schöpfung in diesem Buch, von denen explizit gesagt wird, dass sie schön seien, rothaarig. Aber man achtet ja freilich nicht auf Äußerlichkeiten hier … Es hat nur jeder einen Fetisch für Rothaarige.

Nun, zurück zum Tell. Dieses Machwerk liest sich streckenweise wirklich eher wie ein staubtrockener, totlangweiliger Bericht. Oh nein, Lauch wird von einer Mafia entführt und verprügelt … Le gasp, Lia scheint nix von ihm zu wollen … Äh, wie bitte? Mich sollte das emotional mitnehmen? Äh, nee, nicht wirklich. Außer dass meine Langeweile ins Unermessliche wächst.

Man ganz davon abgesehen, dass dieses Ding wortwörtlich mit dem Single Teardrop einsteigt und dann in medias res weitermacht, was eigentlich gut wäre, würde es der Autor nicht so offensichtlich darauf anlegen, den Leser durch Langeweile zu töten. Es ist das allererste, das wir zu lesen bekommen: eine einzelne Träne, die theatralisch Lauchs Wange herabrinnt und dabei am liebsten noch in der Morgensonne geglitzert hätte, es aber nicht durfte. Die Arme. Eine Tüte Mitleid für sie bitte.

Und dann gibt es diese ganzen Sachen, derentwegen ich einen Tisch meuchelte, weil ich ihn durchnagte. Die eine arme, verlassene Träne nämlich ist Indiz dafür, wie sehr Lauch psychisch leidet unter dem, was ihm mit Corey passiert ist. Ist ja auch total traumatisch, seinem besten Kumpel ein Messer in den Schädel zu prügeln, nachdem man selbst kurz zuvor damit bedroht wurde.

Nun, Lauch ist so cool und steckt das weg wie nichts. Um den Schein zu wahren und nicht als Psycho aka farbloser Kleiderständer für seine omnipräsente Weste (you know, #SeemyVvest) zu erscheinen, behauptet er nach außen hin, dass er seelisch schwer getroffen sei, in Notwehr seinen besten Freund gemeuchelt zu haben. Dumm nur, dass er anscheinend wirklich ein Noob ist und die Show nicht durchziehen kann.

Im Klartext heißt das: Die Protagonisten erscheinen nur als Wäscheständer für ihre Kleidung, die permanent betont wird, um zu vertuschen, dass sie nicht als realistisch erscheinende Menschen erscheinen können. Achtung, Ragequit in Capslock: ES INTERESSIERT MICH NEN SCHEISSDRECK, WAS DIE PROTAS TRAGEN, WENN SIE KEINEN CHARAKTER HABEN!!! Diese Fixierung auf Äußerlichkeiten, während im selben Atemzug betont wird, dass es ja nur auf die inneren Werte ankommt, geht mir so auf den Sack, Verzeihung, die Eierstöcke. Und nein, so funktioniert eine Psychose nach einem traumatischen Erlebnis erst recht nicht, Herr Autor! Das ist nicht mit einer dramatischen einzelnen Träne, angeblich drei Wochen Schweigen im Vorfeld und am Romanbeginn Heititeiti erledigt. Lauch springt hier quietschfidel herum und ich seh hier nix davon, dass er es angeblich cooler gefunden hätte, wenn Corey ihn umgebracht hätte, damit er jetzt nicht so seelisch leiden™ müsste.

Apropos Corey … Langsam wird es wild durcheinander, aber eines ist auch offensichtlich: dass dieser Mist ursprünglich in den USA spielte und die Überarbeitung dahingehend ebenso gründlich versagte wie das Korrektorat, das ganze vernünftig in die bayrische Pampa zu transferieren. Das Gymnasium hat eindeutig Züge einer amerikanischen High School und alle haben amerikanische Namen: Jay, Corey, Mikey …

Überhaupt ist das ganze Szenario um Coreys ach so tragischen Tod und Lauchs Gerichtsverhandlung danach so dermaßen an den Haaren herbei gezogen. Die Polizei verknackt ihn nicht gleich, sondern verschafft ihm genau im Zeitraum der Ferien einen Gerichtsprozess, der auch noch just zum Ende der Ferien hin beendet wird und Lauch freispricht. So funktioniert auch das nicht. Hinzu kommt, dass Coreys Tod in der Schuldusche stattfand und es keine Zeugen gab. Der Junge endete mit einem Messer im Schädel (er war btw. nackt, zückte das Messer aber von irgendwoher … verfolgen wir diesen Gedanken bitte lieber nicht weiter) und es heißt sofort, es sei Selbstverteidigung von Lauch gewesen. In dubio pro reo heißt es, aber hier waren einige Leute, die es nicht sein dürften, doch viel zu gutgläubig.

Man möchte erwarten, dass Lauch danach trotz allem an seiner Schule Schikanen erleiden muss. Seine Eltern wollen immerhin, dass er die Schule wechselt, damit ihm das erspart bleibt. Wir erinnern uns: Die Schule hat angeblich ein Mobbingproblem. Und was ist? Superduper Lauch-Vertrauensschüler kriegt von allen nur Padpad und wie schlimm das doch alles sei und der arm Bubi, der erleben musste, wie sich sein bester Freund ins Messer stürzt.

Das ist ein weiteres Sinnbild dafür, dass es in diesem Buch absolut kein Show gibt. Es wird zwar bei jeder noch so unpassenden Gelegenheit erwähnt, dass es an der Schule ein schlimmes Mobbingproblem vor allem in Bezug auf Sexualität gibt, aber wir sehen nie etwas davon.

Wir erinnern uns an dieser Stelle noch einmal: Das soll eigentlich in einem bayrischen Grenzkaff nahe der Grenze zu Tschechien spielen. Alle sind erzkonservativ und haben von Social Media kaum was gehört. So erzkonsverativ sogar, dass man das Wort »Lesbe« googeln muss. Das beißt sich jedoch gewaltig damit, dass besagte Mutti dann zu ihrer Tochter meint, dass das ja total in Ordnung sei, dass diese eine Lesbe ist und nicht dem traditionellen Partnerbild entspricht. Und überhaupt sind nahezu alle in diesem Roman queer. Wir haben Lesben, wir haben Schwule, wir haben Transsexuelle (warum ist Lauch eigentlich ne langweilige Hete?). Ja, Transsexuelle unter Jugendlichen, die eine operative Geschlechtsumwandlung durchgemacht haben.

Es war nicht das erste Mal, dass ich in meine Tischkante biss. Dieses Ding liest sich, als sei es von einem cis white man geschrieben worden, der sich das alles supereinfach vorstellt. Ok, es WURDE von einem cis white man geschrieben, der sich das alles viel zu naiv einfach vorstellt. Nein, man stellt sich nicht einfach vor eine Klasse und sagt denen: »Ey, lasst mal eure homophoben Sprüche, das ist voll nicht nett« und die machen das dann auch.

Vor allem als Jugendlicher kann man in Deutschland nicht einfach zum Arzt gehen: »He, ich wurde als Kerl geboren, fühl mich aber als Frau. Operierst du mir mal bitte ne Mumu?« Und der Arzt sagt dann auch nicht einfach: »Ja, klar. Mach ich sofort.« Dummerweise wird das im Roman aber genau so dargestellt.

Dasselbe mit SVV, die übrigens nicht mit Triggerwarnung versehen wurde. Das kam einfach so auf, völlig aus dem Nichts. Das Gespräch dazu las sich paraphrasiert etwa so: »Oh, die Narben an deinem Arm. Ritzt du dich?« »Jo, klar.« »Okay … Gehen wir im Konsum eine Milch kaufen?«

Um mal Klartext zu reden: SO. GEHT. MAN. NICHT. MIT. SENSIBLEN. THEMEN. UM. Und schon gar nicht scheißt man so offensichtlich auf jegliche Recherche zu dem Thema. Vor allem dann nicht, wenn man im Vorwort deutlich schreibt, dass das ein Roman gegen Mobbing sein soll. Nein! Ist er nicht! Es ist eine Beleidigung für alle, die wirklich jemals darunter gelitten haben, weil er so vieles so falsch darstellt!

Und jetzt kommen wir zu dem Thema, bei dem der Autor am lautesten blökt, das es nicht vorhanden sein soll: Sexismus. Doch, dieses Ding ist zu allem Übel obendrauf auch noch sehr wohl sexistisch. Gut, wer denkt, ihn gehe das Sexleben seiner Leser etwas an, sodass er ständig bescheuerte Sprüche darüber ablassen kann, dem traue ich auch zu, nicht zu erkennen, dass das ein ganz übler Griff ins Klo war.

Lia soll die versprochene starke Frauenfigur sein. Alles, was sie kann, ist allen Leuten wortwörtlich auf‘s Maul zu geben und unflätig zu fluchen (auch vor ihren Eltern, die, ach so erzkonservativ, wie hier alle sein sollen, das einen Scheißdreck interessiert). That’s not how »starke Frauenfigur« works! Zu denken, maskuline Eigenschaften alleinig wie reine Körperkraft und Grobschlächtigkeit bei Frauen mache sie zu starken Frauen, ist nichts weiter als das: Sexismus. Das ist Fixierung auf eine maskuline Weltanschauung, die den Frauen das Frausein abspricht. Denn so lange sie nicht männlich sind, können sie laut diesem Ding auch nicht stark sein. Fuu! Das Klo hinunter damit!

Während Lia gleichzeitig eine ach so starke Frau sein soll, kommt Lauch die ganze Zeit an und macht einen auf Beschützer, weil sie ein zartes Mauerblümchen ist, das beschützt werden muss. Ja, was denn nun, Herrgott noch mal?! Sie darf ja nicht mal versuchen, sich selbst durchzusetzen, weil er immer angesprungen kommt und stellvertretend für sie anderen auf’s Maul gibt! Kleiner Tipp am Rande: Gewalt ist keine Lösung, und wenn eure Protas ständig die Muskeln spielen lassen müssen, um sich durchzusetzen, dann macht das sie nicht gerade sympathisch. Nur zu beschissenen, unsympathischen Schlägern.

Und ja, es kommt ja nur auf die inneren Werte an, aber Lauch betont ständig Äußerlichkeiten Lias, die sie so toll und liebenswert machen. Damit ist auch sie nichts weiter als ein Kleiderständer mit Titten und ner Muschi, in die man seinen Schwanz reinstecken kann … Das ist voll die Aussage gegen Sexismus! Kannste dir nicht ausdenken …

Ich nage schon wieder am Tisch.

Wir haben ja noch gar nicht diesen dämlichen Plot mit der Mafia erwähnt. Ich springe ein wenig mit meinen Gedanken, es tut mir leid. Nun, jedenfalls gibt es in diesem Ding einen Quoten-Alles (außer dem Quoten-Schwarzen, warum will sich dieses Ding nicht auch noch gegen Rassismus aussprechen? Wenn wir schon einen Rundumschlag haben, dann fehlt das echt!), so auch einen Quoten-Mafioso. Ja, eine Mafia. In einem Kaff in der bayrischen Pampa. Ich habe keine Ahnung, wie das in irgendeiner Weise Sinn machen soll.

Ich nehme jetzt einfach mal den superduper, vollkommen unerwarteten Plottwist vornweg. Wie gesagt: Kauft es nicht … Die Frage, die sich Lauch die ganze Zeit stellt, ist, warum sein bester Freund Corey ihn angriff und töten wollte. Und jetzt haltet euch fest: Das war nur ein Versuch, seinen Selbstmord zu vertuschen! Denn Coreys Vater ist der Mafiaboss und weiß, jetzt haltet euch noch mal fest, dass sein Sohn schwul ist! Le gasp! Denn Mister Mafioso-Daddy will seinen Sohn deswegen umbringen! Also begeht Sohnemann Selbstmord! Warum er nicht einfach von einer Brücke springt und stattdessen seinen besten Freund in die Scheiße reitet, indem er Mordverdacht auf ihn lenkt, ist mir allerdings völlig schleierhaft. Wahrscheinlich muss ich Gras rauchen oder so, um das verstehen zu können. Ernsthaft! Auf solche Ideen kommt man doch nur, wenn man high ist!

So, im letzten Viertel des Buch gibt’s dann jedenfalls Mafia-Action. Äh ja, wie auch immer das in diesen Plot passt. Mafia-Daddy will nämlich Lauch mundtot kriegen, entführt und erpresst ihn. Übrigens weiß jeder in dem Kaff von der Mafia. Warum niemand die Polizei ruft, ist mir allerdings schleierhaft. Wie gesagt, ich war stocknüchtern beim Lesen, das erscheint mir im Nachhinein als Fehler. Sicher hätte ich im betüdelten Zustand die Genialität dieses Meisterwerks erkannt, mit der die Literatur und besonders die Selfpublisher-Szene revolutioniert wird …

Es wird langsam mal Zeit, dass wir auch zum Titel dieses Dings kommen. Die Grundprämisse ist, dass, weil du MIR guttust, du mein Partner sein MUSST. Und … nein. Einfach nein. Lauch wird permanent als der Held und der Gute dargestellt. Wer anderer Meinung als er ist, wird als negativ dargestellt. Da wird auch vor Lia kein Halt gemacht. Lauch erzählt eine Geschichte, in der er von einem erdachten Mädchen namens Mia (unterstehe dich, meinen Namen in den Dreck zu ziehen!) sprich, das ihn schwer verletzt hat. Im selben Atemzug sagt er Lia ins Gesicht (!), dass er damit sie meint. Des Weiteren macht er in Bezug auf die Mafia einen Alleingang, um sie auszuhebeln, in dessen Folge etliche Personen, darunter seine Familie, Lia und deren Familie, in große Gefahr geraten. Er bekommt gewaltigen Ärger dafür, brüllt aber alle zusammen, wie scheiße sie zu ihm seien, woraufhin sie ihm recht geben, weil es ja soooo richtig von ihm gewesen sei, alle in Gefahr zu bringen, um allein gegen eine Mafia vorzugehen. Manchmal war das Bedürfnis in mir sehr stark, ihm ins Gesicht zu treten.

Hinzu kommt folgende Begebenheit. Lauch versteckt Schmuddelhefte unter seinem Bett (realy, Autor: Wer zum Henker versteckt heutzutage noch den vollgewichsten Playboy unter dem Bett? Die Pornos werden gleich dewonloadet!) und hat Pornos auf seinem Laptop. Lia entdeckt die und stellt ihn zu Rede (nachdem sie erst einmal eine beachtliche Zeit brauchte, um einen hardcore Porno als solchen zu erkennen, du meine Güte … aber Kleiderständer, ich sagte es bereits). Er fängt an herumzueiern und erklärt ihr dann, dass er diese Videos guckt, weil er von den Zärtlichkeiten zweier Menschen und den Gefühlen, die zwischen ihnen sind, beeindruckt ist und das ausgesprochen romantisch findet. Herrgott, du voyeuristischer Vollidiot, das sind Pornos! Die Wörter Porno, Zärtlichkeit und romantische Gefühle passen nie und nimmer in einen sinnvollen, nun, Sinnzusammenhang! Argh! Lia ist zunächst entsetzt (zu Recht! Das ist doch grenzdebil!), aber er pampt seine große Liebe an, dass sie ach so schlimmböse intolerant sei, dass sie das nicht hinnehmen könne. LIA HAT RECHT, GRUNDGÜTIGER!!! Und Capslock ist nicht ansatzweise groß genug, um ausdrücken zu können, wie sehr ich in diesem Moment am liebsten Lauch gepackt und seinen Kopf so lange gegen die nächste Wand gedonnert hätte, bis Vernunft in ihn hinein geprügelt wurde. Es interessiert mich nen Scheißdreck, was voyeuristische Protagonisten für perverse Sexphantasien haben! Und erst recht will ich nicht lesen müssen, wie diese Protagonisten dann auch noch als die Superguten dargestellt werden!

Denn wie Lia danach auf die Idee kommt, dass Lauch zu gut für sie sei und er ja sooooo Recht habe, ist mir schleierhaft.

NEIN, VERFICKTE SCHEISSE, NEIN!!!

Entschuldigt bitte den Ausbruch. Aber anders kann ich es einfach nicht adäquat ausdrücken, was mir beim Lesen durch den Kopf ging. Und nein, ich habe meinen Kindle noch nicht das Klo hinunter gespült. Hätte ich das Ding physisch in der Hand, ich hätt’s allerdings getan, denke ich.

Nun, jedenfalls sind mir die Protagonisten, allen voran Lauch, ausgesprochen unsympathisch. Das dürfte mittlerweile allerdings auch klar sein. Lauch ist so ein Typ, der nen reichen Anwaltsdaddy und ne reiche Ärzte-Mutti hat (die nie zu arbeiten scheinen und immer zu Hause sind, just sayin‘) und sehr gern mit der »Ich verklag dich, Papa kriegt das durch!«-Keule fuchtelt. Da droht er der Schule und erpresst sie, damit die einen Schüler runterschmeißen, der zuvor scheiße zu Lia war (starke Frau …). Supersympathisch, echt mal … Ich hole derweil mit dem Fuß aus.

Es widert mich (neben so vielen anderen Dingen hier) an, dass Lauch permanent  als der Held inszeniert wird und alle anderen Kleiderständer nur dazu existieren, um ihn darin zu bestätigen, während er gleichzeitig fröhlich mit Klage droht, Leute verdrischt, andere herabwürdigt (er sieht Mikey an einer Stelle nur noch als »feindliches Subjekt«, Menschsein erfolgreich aberkannt, Arschloch) und wild durch die Gegend denunziert.

Es gibt kaum etwas schlimmeres als ein Buch, das durchaus gut hätte sein können, hätte der Autor die Arschbacken zusammengekniffen. Nur ein Buch, das zusätzlich auch noch all das oben genannte auf sich vereint. Denn ja: Das hätte eine gute Story ergeben können. Teenager wird von seinem besten Freund angegriffen und muss diesen in Notwehr töten, das klingt doch nach einem ordentlichen Drama, oder? Aber nein, das wurde ja mit Vollgas und 50 über der erlaubten Höchstgeschwindigkeit gegen eine Betonwand gefahren.

Wie ich bereits eingangs erwähnte: Es ist das schlechteste, das mir je in die Finger geriet und das man für Geld kaufen kann (und ich habe Ardeen gelesen und zerfetzt!). Ich entlasse all die tapferen Seelen, die es bis hierher geschafft haben, mit dem wunderunschönen Wort »Beckentanz«, das man ebenfalls in diesem Ding finden kann. Kauft es nicht. Bitte nicht.

P.S.: »Kleine Hasenzähnchen« sind nicht niedlich. Und hört auf mit dem Grinsen! Suedie hatte da diese wunderschöne Statistik erstellt:
"Grinsen" - 72 Mal
"Lächeln" - 105 Mal
"Brauen heben" - 56 Mal
"Durchatmen" - 83 Mal
"Wie geht es dir?" - 29 Mal
Wörter insgesamt: 65.875

P.P.S.: Ja, bin ja schon weg.


Autor: David Schwamborn
Titel: Weil du mir gut tust
Sprache: Deutsch
Umschlagsgestaltung: … Ja, wie war das jetzt noch mal mit den Credits?
Reihe: Nein (bitte lasst es keine Eier legen!)
Seiten: 221
Originalpreis: 4.99€ (das eBook wurde allerdings gelöscht statt geupdatet, weil man das so macht, wenn man Kritik einfährt, und das Taschenbuch kostet aktuell 9,60€)
Verlag: Selfpublishing
Genre: Liebesroman (abomination of  a love story!)
ASIN: B075XP58RT
Erscheinungsjahr: 2017


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Sephis Welt

Kommentare:

  1. Hiho Maria,

    mein Tag ist gerettet und nun fahre ich beseelt in den Garten - mit meinem Kindle, auf dem lesbare Bücher drauf sind. Für diesen grandiosen Verriss bekommst Du von mir ganz viele Hasenzähnchen oder amüsiert hochgezogene Augenbrauchen oder was auch immer. Fühl dich geehrt. ;)
    ^^^^^^^^^^^^^^

    Liebe Grüße, Claudia

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    1. Hallo ^^

      Wahhh! So wird's mir gedankt :DDDD Der Autor hat sich echt nicht viele Freunde gemacht mit der Aktion ... Das mit dem Abtauchen und mit einem unbekannten Pseudoynm wiederkommen hielt er wohl auch nicht für eine gute Idee. Na gut, nicht mein Problem.

      Liebe Grüße

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  2. Hallo, ich bin ein kleiner, unwichtiger Nachwuchsautor und wollte mich für diesen Text bedanken: ich habe durch ihn gesehen dass ich bereits einige Dinge richtig mache und habe jetzt viel mehr Mut (und verdammt mehr Motivation) mein eigenes Werk irgendwann mal zu veröffentlichen.

    Ich meine: wenn es _soetwas_ auf den Buchmarkt geschafft hat...
    danke ;)

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  3. Ich kenn dich nicht - ich weiß nicht, wer du bist, und was du sonst so schreibst. Aber diese Review hat meinen mittelmäßigen Tag mehr als nur ein wenig versüßt. Danke dafür! ^^

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  4. Mit dem Tipper dieses Machwerks hatte ich kurz in einem sozialen Netzwerk Kontakt und wir widersprachen uns grundsätzlich. Neugierig auf sein revolutionäres Schaffen las ich mir die Leseprobe zu "Weil du mir gut tust" durch und wäre allein dabei fast eingeschlafen, hätte ich mich nicht immer wieder aufregen müssen. Dadurch wiederum neugierig auf Kritiken kam ich auf diese Seite hier. Danke für die Bestätigung, danke, danke ;)

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  5. Ich hab es jetzt erst gelesen und möchte immer noch fragen, ob es dir gut geht.
    Oder dir einen Tee anbieten.
    Oder Schokolade.
    Oder vielleicht Sauerstoff?
    Auf Amazon gibt es das Buch mittlerweile nicht mehr, nur falls dich das ein wenig beruhigt^^°
    Ich hatte echt zwischendrin mehrfach das Bedürfnis, dir zu sagen, dass alles gut wird, und dich ans Atmen zu erinnern.
    Respekt, dass du es ganz gelesen hast.
    Für alles andere fehlen mir leider die Worte.

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    1. Hallo,
      keine Sorge, mir geht's mittlerweile wieder gut ^^ (Es war wirklich so, dass ich, nachdem ich damit durch war, irgendwie ... platt war. Es war die geballte Ladung Bullshit in schriftlicher Form.) Wie es mit dem Teil auf Amazon weiterging, hatte ich dann auch verfolgt, inklusive der Diskussionen in den Rezis. Blieb erstaunlich ruhig, auch von seiner Seite aus. Ich hätte gedacht, dass er mehr Staub aufwirbelt, statt nur einem kleinem Mimimi und jemand anderem, der mir Bosheit unterstellt.
      Liebe Grüße

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