Denn ich fresse nicht nur Jungfrauen!

Freitag, 4. August 2017

Game of Thrones Rewatch: S07E03: The Queen's Justice

Wie immer: SPOILER VORAUS!

Jon erreicht Dragonstone, um dort mit Daenerys über ein Bündnis zu verhandeln. Daenerys verlangt von ihm, vor ihr als seine Königin niederzuknien und erkennt seinen Titel als König im Norden nicht an. Er weigert sich und erkennt auch sie nicht als seine Königin an, auch auf die Gefahr hin, von ihr als Rebell und Verräter an der Krone angesehen zu werden. Auf Tyrions Ratschlag hin verbündet sich Daenerys zwar nicht mit Jon, erlaubt ihm aber, Dragonglas abzubauen. Gleichzeitig plant sie ihren Angriff auf das Festland, muss jedoch erfahren, dass ihre Greyjoy-Flotte überfallen wurde. Ellaria und ihre Tochter Tyene befinden sich nun in Cerseis Gewalt, welche Tyene auf die gleiche Weise vergiftete, wie eins Ellaria Mycella. Tyrion schickte die Unsullied Armee mit einem schlauen Plan gegen Casterly Rock und gab ihnen Pläne der Geheimgänge, mit denen Grey Worm und seine Soldaten die Festung von innen heraus erobern können. Sie stellen jedoch fest, dass die Hauptarmee der Lannisters nicht vor Ort war. Gleichzeitig werden die Schiffe, mit denen sie angekommen sind, von Euron überfallen. Die Hauptarmee der Lannisters marschierte indes auf High Garden zu und nahm die Festung ein. Jaime gibt Olenna ein Gift, um ihr ein gnädigeres Ende zu gewähren, als Cersei ihr angedacht hätte. Olenna trinkt das Gift freiwillig, verrät Jaime allerdings unmittelbar darauf, dass sie Joffrey vergiftete. Cersei macht indes ein Bündnis mit der Iron Bank aus, gleichzeitig will sie nun ihre Beziehung zu Jaime offen ausleben und kein Geheimnis mehr daraus machen. Im Norden plant Sansa, wie sie Winterfell halten und während des Winters und einer potenzielen Belagerung ernähren können, als Bran Winterfell wieder erreicht. Sansa erkennt jedoch mit Schrecken, wie sich ihr jüngster Bruder verändert hat. Sam ist es gelungen, Jorah von seiner Infektion zu heilen, auch wenn es gegen den Befehl von Archmaester Erbrose verstieß. Da er sich bei der Heilung jedoch so gut schlug, ist sein Lohn, dass er nicht aus der Zitadelle verbannt wird.


Mittlerweile sieht es auch auf Eurons und Cerseis Deathcounter sehr gut aus. Übertrieben gut, möchte ich meinen. Daenerys hat eine starke Flotte, ebenso starke Infanterie und Kavallerie und drei Drachen und verliert den Krieg dennoch. Wird es also doch auf alles niederbrennen hinauslaufen? Gegen einen sich portenden Euron ist jedenfalls jeder machtlos. Wirklich, das nimmt in der Serie mittlerweile übertriebene Züge an. Schon mit Varys am Ende der letzten Staffel war das ein wenig albern, dort hatte es jedoch vor allem ästhetischen Wert, ihn am Ende episch neben Daenerys auf ihr Flaggschiff zu stellen, während sie Westeros entgegensegelt. Mit Euron, der scheinbar beliebig zur richtigen Zeit am richtigen Ort auftauchen kann, wird es lächerlich übertrieben.

Das gilt übrigens nicht nur für Euron, sondern auch für Jon, der mal eben aus dem Norden nach Dragonstone kommt. Man muss sich die Distanzen, die beide mal eben zurücklegen, mal auf der Westeros-Karte ansehen, es ist einfach lächerlich … Ich verstehe, dass sie mittlerweile in der Serie nicht mehr genug Raum haben, um zu zeigen, dass zwischen Aufbruch und Ankunft jeweils wahrscheinlich mehrere Monate vergehen, aber es gibt andere Möglichkeiten, das darzustellen, als nur mehrere Folgen dazwischen verstreichen zu lassen.

Aber nun zu den guten Seiten der Folge. Es gab vergleichsweise wenig Gemetzel und wenn, wurde es überwiegend nur angedeutet, um zu verdeutlichen, dass die jeweiligen Kämpfe um Casterly Rock und High Garden nur kurz dauerten, und die Angegriffenen deutlich unterlegen waren. Dafür gab es in dieser Folge sehr viel gutes Character Building. Besonders die Begegnung von Jon und Daenerys, auf die alle so lang gewartet hatten (immerhin heißt es »A Song of Ice and Fire« und wie Melisandre sagte, sind nun Eis und Feuer zusammen), gefiel mir dabei.

Man merkte richtig, wie Daenerys, auch wenn sie scheinbescheiden tut und auf ihre niedere Kindheit als Schwester des Bettelkönigs verweist, sehr viel mehr Erfahrung im Regieren hat als Jon, der König im Norden. Das zeigte sich schon allein darin, wie Missandei und Ser Davos sie jeweils vorgestellt hatten. Missandei benennt formell und korrekt alle Ehrentitel Daenerys‘, während Davos nur hervorbringt: »This is Jon Snow. He is King in the North.« Einfach eine großartige Szene, nicht nur wegen der gewissen Komik, die darin lag.

Jon sieht sich auf einmal vollends im Spiel der Throne, und auch wenn auch Daenerys ein neuer Spieler ist, erkennt er, dass er mit ihr auf diesem Gebiet nicht mithalten kann. Die Chancenungleichheit in Hinsicht auf ihre Fähigkeiten, in politischen Kreisen zu agieren, wurde sehr gut herausgestellt, nicht nur dadurch, wie sie einander vorgestellt wurden, sondern auch dadurch, wie sie danach miteinander sprachen. Daenerys wählte wohl gesetzte Worte, während Jon sich einer einfacheren Sprache bediente und neben ihr fast schon bäuerlich wirkte. Wäre nicht Tyrion gewesen, der einen guten (oder vielleicht auch nicht?) Einfluss auf Daenerys ausübt, Jon wäre vermutlich mit leeren Händen gegangen, da er nicht einmal von sich aus das Dragonglas anspricht, und weiterhin wie Daenerys sich nur an dem Niederknien vor ihr aufhängt. Aus Daenerys‘ Sicht macht das freilich Sinn: Sie kennt Jon nicht und weiß nicht, inwiefern er ihr auch ohne Eid auf sie nützen könnte oder warum sie ihm sogar helfen sollte. Aus Jons Sicht ist es etwas kurzsichtig, da er sogar erst durch Tyrion darauf hingewiesen werden muss, dass er vielleicht zumindest etwas erwirken kann, was er dann ja auch tut. Man kann sich hier also durchaus berechtigt fragen, was das mit Jon als King in the North noch wird und ob das ein gutes Ende nehmen kann. Er wirkt wirklich sehr geblendet von seiner, wenn auch berechtigten, Furcht vor dem Night King.

Bran kommt nach Winterfell zurück, und während Sansa ihm begeistert um den Hals fällt, bleibt er sichtlich unbeeindruckt. Als er ihr auch noch offenbart, dass er ihre Hochzeit mit Ramsay beiwohnte, ist sie definitiv zu Recht von ihm irritiert, und fürchtet ihn vielleicht sogar. Jetzt, da Bran wieder in der Zivilisation ist und nicht mehr nur mit den Reeds, Hodor, seinem Direwolf und dem Three Eyed Raven Umgang hat, sieht man den Kontrast zu, sagen wir einmal, »normalen« Menschen. Seine Reise in den Norden hat ihn definitiv geprägt und drastisch verändert. Anscheinend hat er gar den Umgang mit anderen Menschen, die nicht so sind wie er, verlernt.

Das Highlight der Folge war für mich nicht das lang ersehnte Treffen von Jon und Daenerys, sondern Olenna Tyrell. Thug Level 100. Zum einen hat mir die Inszenierung der Eroberung sehr gut gefallen. Mir fällt in dieser Staffel auf, dass sie sich bemühen, in jeder Folge eine augenfällige Kameraeinstellung zu wählen. In der ersten war es Sam, der Scheiße reinigt, in der zweiten Sam, der das Skalpell in Jorahs Haut bohrt, das sich dann in ein Messer wandelt, das in der nächsten Szene in Pastete sticht, und hier war es die Eroberung von Casterly Rock. Das leitete über in eine dramatische Orchestrierung der Rains of Castamere, die sofort die Stimmung einleiten und zu Olennas Grabeslied werden. Und dann natürlich Olenna selbst, welche einfach ein großartiger Charakter ist, nun aber ihr Ende finden musste. Sie nimmt es mit Fassung und der ihr eigenen Würde und Überlegenheit. Fast vermute ich, dass sie trotz allem noch etwas in der Hinterhand hat. Für den Zuschauer war es natürlich schon lange klar, dass sie Joffrey vergiftete, aber nun sprach sie es auch Jaime gegenüber offen aus. Ebenjener, der ihr zuvor noch einen gnädigen Tod gewähren wollte, und sie als würdige und ehrenvolle Gegenspielerin respektierte.

Jaime selbst verdient Mitleid. Wie Olenna sagt, ist er hoffnungslos an Cersei verloren und wird durch sie womöglich noch seinen Tod finden. Jaime ist ein guter Mensch, wird nun jedoch nur noch zum Instrument von Cerseis Macht und ihren Rachegelüsten. Letztere lebte sie bereits reichlich aus, als sie an den Martels Rache nahm. Cersei hat mittlerweile so viele ihrer Gegenspieler in erstaunlich schneller Zeit ausgeschalten, was schon allein der Dramaturgie wegen nicht mehr lange so weitergehen kann. Vermutlich kommt schon in der nächsten Folge der Gegenschlag, der sie langsam zurückdrängt.

Wie immer am Ende ein Video, das viele Dinge noch einmal schön vertieft.

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